Samstag, 1. November 2008

Horror vacui

Dopes Tagebuch,

nachdem der Aru sich also fühlte wie bei Oli Geißen auf'm Sofa ("Ergebnis: Negativ") lädt ihm der flex die nächste Fuhre auf die Matte. Die entsetzte Reaktion des Aru auf das CS-Profil

"> 'i am a funny person'
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> 'I love to cook, drive, shopping, high fashion... '
>
> 'It is necesary to understand humans behavior.'
>
> 'couch, couch, couch' schreien sie, aber c'mon, dann noch diese schwulen italienerfotos. der letzte dreck. wir wissen zwar aus der kulturgeschichte der couches was für wesen diese mexikanerinnen sind und was sie alles so auf spektral couches veranstalten, aber no,no,no. schick mir mal lieber die profile dieser litauerinnen. davon versprech ich mir einiges mehr."

beantwortet Mr. Flex gekonnt:



"naja, diese sätze deuten ja schon auf pervers-naives mädchenpack hin. kann man so oder so sehen, der schwanz wird seine eigene meinung darüber haben. das war natürlich wieder eine der ich von CS und 2 freunde die kein profil haben mail. kann also nur sagen: 3 möglichkeiten für einen abenteuerspielplatz für den penis auslassen oder wahrnehmen?

are you sure, dear schan?"


Mr. Schan ist sure und gibt grünes Licht und grünes Gift für Unternehmungen. Der Weibermob kommt zur Arbeitszeit und verschanzt sich im McDonald's um auf des Arus Eskorte in den Steindamm zu warten. Bereits von Hawaiianerinnen altbekannte Spielchen (ZOB statt Hbf, undeutliche Anrufe, wirre Aussagen) werden wiederholt und deuten an, daß der Abenteuerspielplatz zur Geisterbahn mutieren wird.
Beim Öffnen der Schließfächer fallen stapelweise Frauen-, Girl- und Modezeitschriften aus der Vorrichtung und statt meterhoher backpacks mit Schlafsäcken müssen Einkaufstüten (Lieblingsobjekt: Schuhe) über den Steindamm gezogen werden.
Der Aru tut sein Bestes und erhält sehr viel Eskes, in Form von Menschen, Dingen, Emotionen. Auf dem Weg von der Arbeit erreichen mich Anruf und sms von Ole, der unwissend mit den Freizeithuren allein im Steindamm gelassen wurde. "Es ist einfach nur ill." Ich tausche die Bücher gegen die Weinflaschen und mache mich mit den in der U-Bahnstation wartenden Hyänen auf zu Flex ins Mädchenzentrum. Ole verabschiedet mich mit den Worten: "Aru, in deinem Zimmer riecht's wie im Puff."
Man begutachtet deutsche Fahrscheinautomaten als stünde man vor dem Parfümregal und entscheidet sich für das Kinderticket. Der Aru versucht klarzumachen, daß nicht das Intelligenzalter, sondern die Zeit nach dem Würfeln durch das Muttertier entscheidend ist. Im Halbkreis um mich herumstehend fragen mich drei Lippenstiftgesichter warum mein Mitbewohner sie für Polinnen gehalten hat. Ich sage "Esk!" und flüchte fürs Erste in die Bahn.

Der Weg zu Flex nicht minder groß. Das mexikanische Mannsweib und das litauische Küken fangen an sich zu necken, lecken und husband/wife zu nennen. Nancy stelzt auf ihren Stöckelschuhen Richtung Medienzentrum und hält mir triumphierend ihr Schminkgesicht entgegen: "I'm the only normal person." Der Aru wendet konsterniert den Blick ab und wird dafür mit einem 'Batman'-Banner im Gesichtsfeld vor dem Audimax gestraft. Das Ganze im Tempo dreier konkurrierender Nacktschnecken, hinter mir dröhnt der Bariton: "A lady never rushes."

Der Streichelzoo trifft im Mädchenzentrum ein, Flecko geht zur Begrüßung raus und schickt den Todeskuss per sms: "Oha".
Das gemeinsame Loungen versäuft so im Sande, belanglose CS-Experiences füllen die Zeit zwischen den Atemzügen.


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Das Mannsweib holt ganz tief aus um die hohe Kunst der tiefen Schläge imposant vorführen zu können. "I sometimes rap. But I have a terrible voice."
Das sind nicht Nancy's Probleme. Immer wieder wird in die Hände geklatscht, ein Lächeln erheischt und "Party,Party" skandiert. Um den Drohungen Nachdruck zu verleihen wird wiederholt der Lippenstift herausgeholt, aufgerollt und angesetzt. Auf Hände klatschen antwortet Spektral mit Kopf schütteln und macht Pantomime zum bösen Spiel.


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Nach dem Abspann des Pflichtprogramms vermögen Spektralmembers partyhungrige Rauschkatzen nicht länger im Zaum zu halten. Man legt die Schanze ans Herz und die Hündinnen an die Kette. Nancy wechselt ihre Stiefel und das Mannsweib tauft Flex' Baby Bike 'Lolita'.

In der Hamburger Szenehölle hat scheinbar der Teufel selbst Lunte gerochen und den Schwanz eingerollt. Die Bars stapeln ihre Stühle und scheinen kollektiv zu sagen "No pasarán". Schwer zu ertragen, so eine Abfuhr, für unsere Partymaus. Flex hält den Zeitpunkt für gekommen und erläutert: "Ich hab die ganze Woche nicht gewichst."

Man versichert sich, daß im Hier und Jetzt nichts mehr gehen dürfte außer der eigene Körper Richtung Heim. Der Aru starrt auf die sich erneut die Schuhe wechselnde Nancy und winkt das erstbeste Taxi heran. Mit den Chicken auf der Rückbank geht es durch die Hambuger Nacht. Beim Anfahren an der Ampel spürt der Aru den Pfeffi in der Flasche rumoren. Und was machen die Stuten? Scharren mit den Hufen. "Party, I want Party." Ich lenke die Konversation mit dem Taxifahrer vom Navigationssystem auf den Rücksitz und gebe die blinden Passagiere als meine Gäste aus. Bewundernd wird mir entgegengebracht: "Drei auf einmal? Eieiei. Dann brauchst du heute nacht keine Heizung mehr. Kannst du runterdrehen."
Scheine zücken, Kleingeld wechseln. Bevor ich die Tür zuwerfen kann kommt der Kavalier im Arbeitstier durch: "Wenn du heut nacht Hilfe brauchst, sag Bescheid."
Der Aru deckt den Mantel des Schweigens über den husband und seine wife und offeriert fancy Nancy die weitgereiste Isomatte als Schlafgemach. Als ob sie den Taxifahrer wörtlich verstehen konnte holt Nancy ihre Handschuhe aus der Tasche und läutet zur kollektiven Ruhe.


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Vom Winde verweht flattern dem Aru am nächsten Tag einsame Abschiedsbriefe beim Betreten der eigenen vier Wände entgegen. Um nicht den Verdacht zu erwecken, man hätte sich unauffällig davongestohlen wurden als Zeichen interkultureller Wertschätzung sämtliche Handtücher auf den gefluteten (Strafe Gottes?) Badboden gelegt, Regenschirme vergessen sowie Essensreste im Raum verteilt. Und Haare, überall Haare. Der Aru sieht sich erneut bestätigt in der Überzeugung, sich vorerst kein Weib zu halten und bestaunt die Apokalypse im Wasserglas.
Das Sahnehäubchen der Schadenfreude bleibt die Nachlektüre, Strafe muß sein.

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