meine Matratze hat eine kleine Geschichte zu erzählen und die geht so:
Nach den Turbulenzen und Exzessen der letzten Wochen (Bitchtiere, Lesbinnen, Jungfrauen, Couch Babies) schreit des Arus Schlafunterlage nach Auszeiten und Rekonvaleszenz. Nichts scheint geeigneter als die Aufnahme zweier unscheinbar anmutender Jungsurfer, dem Maly und der Coco.
Telefonate zu später Stunde sind die Vorboten der sich anbahnenden Eskheiten, No-no-Wörter wie Servus und Gell sorgen für flashbacks und bewirken, daß dem Aru die Pfeffermühle in die Pfanne fällt.
Die Abendrunde wird bestimmt von Bratkartoffeln und chinesischer Medizin. Der Maly berichtet von Akupunkturkursen, für die er jeden Monat nach Hamburg pilgert. Da chinesische Medizin ein hartes Los und noch härteres Brot ist, muß unser Mann mit den literarischen Anwandlungen ("Wenn ich Böll lese, muß ich immer ne Zigarette dabei rauchen") frühzeitig den Schlafplatz aufsuchen um am nächsten Morgen im Hamburger Junkieviertel Nadeln zu setzen.
Die Büchse der Pandora-ein halber Liter Holsten
Der Aru bietet dem weiblichen Teil des Gespanns an, mit auf die Privatparty eines Kommilitonen von Flex zu kommen. Menschen fragen, ob solche Unternehmungen zu fortgeschrittener Stunde lohnenswert seien und verlangen Garantien. Der Aru fragt sich, woher er sowas nehmen soll und zieht das Nb rhymebook über die Netzhaut ("Du klebst an mir, doch ich hafte für gar nichts, so richtig wach werd ich erst wenn es Nacht wird").
Schließlich geht es zu dritt (Aru, Coco, Merlot) auf die Suche nach studentenbesetzten Hochhäusern, die auch um ein Haar den Flex verschluckt hätten.
Coco, Neustudentin aus Schwul Cologne, erzählt etwas von exotischer Gesundheitsökonomie und davon, dem Aru in übergeordneter Position Befehle erteilen zu können. Der Aru lacht herzhaft, daß der Penis vibriert und fragt ketzerisch, wie denn das Leben in der Karnevalsstadt so sei.
Reflektorisch wird die diabolische Trias Köln, Frankfurt, München erwähnt, Coco legt ein umfassendes Geständnis ab und bekennt sich zu ihrer Herkunft. Der Aru kneift Augen und Pobacken zusammen und sieht sich mit Schwierigkeiten konfrontiert. Die Weinflasche hilft weiter und fordert dafür später ihren Tribut.
Im 15. Stock hat Fl es sich bereits mit seinem Couchgirl auf dem Fußboden vor der Tür zur Tanzgemeinschaft gemütlich gemacht und klammert sich verlegen an eine Sektflasche, die die letzte Alkoholquelle darstellt.

Auf dem besten Posten verbleibend konnte bereits einer der great characters des Abends erspäht werden. Alte Nachbarn verkleiden sich als Lustmolche um eifrig und unnachgiebig einem chinesischen Duo nachzustellen.

Fl tauscht seinen Surferin (Brasilianerin auf Hawaii) gegen die Pfeffiflasche, Aru sorgt für die Notladung Bier und sieht sich spontan der Essensportion aus dem Kochtopf einer alternden Senegalesin gegenüber. Der verfrühte Faschingsstreich oder verspätete Aprilscherz verbrennt dem Aru die Mundhöhle und muß mit nichts geringerem als Elefantenbier gelöscht werden.
"C'est toxique y dangereux, mais la saveure est bonne"Besagte Menschen bringen nicht nur "Farbe ins Spiel" (O-Ton DRK-Erste-Hilfe-Leiter), sondern auch den Whiskey gleich mit. In bewegten Worten wird von den über die ganze Welt verstreuten Kindern geredet, die Peffiflasche entwendet und als Höhepunkt ein buntes Kostümfoto in die Runde gehalten. "Can you imagine that this is me?"

Um uns herum beginnen bereits die Räum-und Bergungsarbeiten, die Sonne zieht sich noch mal ins Univerum zurück und Moralpolizist Flex paßt auf, daß niemand der Freundin des Gastgebers zu nahe rückt.
Am Fuße des Hochhauses fragt Fl, ob der männliche Gefährte der Couch Surferin ihr Freund sei. Geantwortet werden eske Ausführungen über Verträge und ähnliches. Flex fragt: "Und was ist mit Gefühlen?" "Gefühle gibt es nicht." Fl zeig sich gerührt und macht nach dem Fahrrad (Pandora vs. Lolita) und der Pfeffiflasche den dritten Heiratsantrag des Abends.
Am Bäckerstand vor der S-Bahn treffen wir eskerweise auf unseren legendären Oi-BigBang Auszugs-Punk ("Selber Schuld. IHR habt euch auf den Punk eingelassen"). Flex fährt die Flügel aus und ich springe eine Station früher aus der Bahn in der Hoffnung, so dem sich anbahnenden Kater zu entgehen.
Der nächste Morgen beginnt mittags um eins und verspricht alles Mögliche, nur nichts Gutes. Des Arus Kopf fühlt sich an als hätte man die Flasche Grünen Goldes nicht getrunken, sondern auf dem Schädel zerschellen lassen. In der Hoffnung auf Linderung treibt es den Aru auf den Steindamm, die Fratzengesichter tanzen Polonaise vom Casino bis zur Moschee.
Die Tour führt vorbei am Arier Juwelier, der Wettbar und dem LIDL, haufenweise Weinflaschen rollen übers Laufband. Der Aru schreitet vorüber und freut sich, daß der Herr im Himmel ihn mit einem Gehirn mit Schmerzzentrum versehen hat. Die Zeichen spiritueller Hingebung erreichen ihren ersten Höhepunkt als der Aru sich erstmalig auf dem Steindamm (Ecke Hansaplatz) entleert. Grüne Reste.
In der 101 wird ein mageres Reanimierungsprogramm gestartet um den Profi-Hustler wieder arbeitsfähig zu machen. Nach kühlen Tüchern und warmen Bädern dient anschließend ein Kindergeburtstag der Ausnüchterung. Sogar das Lächeln kommt rechtzeitig zurück, mit zwei Stücken Dextrose in den Pausbacken gegen den Glukoseabfall ist der Aru on point wieder clean.
Back im Hood warten die nächsten nicht minder schönen Stories. Ole hat sich überm Waschbecken die Haare geschnitten und den Hinterkopf auch trotz Spiegel und Yoga-Imitationen nicht erreichen können. Also schnell auf zum Barber um die Ecke. "Geld, Handy,...", nur der Schlüssel sollte es im Eifer des Gefechts nicht mit auf den Steindamm schaffen.
In den Katakomben der 101 (Cash, Stiffs, Drugs) werden die Utensilien für die operation open front door aufgelesen, für die Oles inzwischen eingetroffener Kollege Pate steht. Nach einer Stunde erscheint ein Nachbar auf der Bildfläche um den beiden Panzerknackern kurz höflich zu grüßen. Schließlich gelingt das Unfaßbare mit einer durch den Briefschlitz gewinkelten Stange. "Wir waren laut."
Der Aru macht sich des Abends an pures Fett in Form von Eßbarem. Verbunden mit dem Vorsatz in näherer Zukunft nur noch Sauerkirschnektar zu trinken.
Für den samt Couch girl eintreffenden Flex kein Grund den Guttemplern beizutreten. Die Weinflasche in der Hand werden weibliche Gäste in die Pflicht genommen: "C'mon, it's the drink of the gods and women."
Die Leere
Auf dem Bahnsteig verfaßt Fl bereits übereilig eine mündliche reference für Couchsurferin Coco. "Du wirkst immer so autoritär. Auch mit diesem blau-karierten Mantel. Vor allem mit diesem Schlitz da. Außer vorhin, als du auf dem Bett lagst, da warst du nicht autoritär."
Flexstradamus hat entweder einen Glückskeks in der Weinflasche verschluckt oder sich die Brillengläser mit Pfeffi geputzt.
"Besonders mit diesem Schlitz da"
Der Weg zur Meile mit Weile macht noch einmal deutlich, daß Hamburger U-Bahnfarten etwas anderes sind als die Nutzung Kölner Omnibusse oder das Reiten auf Kühen in Olpe.
"Besonders mit diesem Schlitz da"Der Weg zur Meile mit Weile macht noch einmal deutlich, daß Hamburger U-Bahnfarten etwas anderes sind als die Nutzung Kölner Omnibusse oder das Reiten auf Kühen in Olpe.
Flex' erste Amtshandlung auf der Reeperbahn ein konditionierter Reflex. "Ich muß mal kurz pissen." Und das nicht zu knapp.

Mit Betreten der Reeperbahn drängt die junge Münchnerin zunehmend ins spotlight und avanciert zur Protagonistin auf Zeit. Inmitten der reeperbahnenden Eskheiten wird plötzlich innegehalten und ein Monolog epochalen Ausmaßes in perfektem Ambiente vorgetragen.
"Ich hab heute einen vollkommenen Menschen getroffen. Er war über vierzig und hat eine Tochter in Amerika. Wenn sie wieder zurückkommt wird er sich bereits umgebracht haben. Er wollte, daß ich ihr schreibe wie ich ihn zuletzt erlebt habe. Dieser Mensch hat einfach nur verstanden. Die ganze Leere. "
Der Aru zeigt mit dem Finger auf Susis Showbar.

Vor den Pforten der Herbertstraße dann Moralanwandlungen. "Ich muß da nicht durchgehen. Ich kann verstehen wie man sich als Frau da fühlt."

Mit Betreten der Reeperbahn drängt die junge Münchnerin zunehmend ins spotlight und avanciert zur Protagonistin auf Zeit. Inmitten der reeperbahnenden Eskheiten wird plötzlich innegehalten und ein Monolog epochalen Ausmaßes in perfektem Ambiente vorgetragen.
"Ich hab heute einen vollkommenen Menschen getroffen. Er war über vierzig und hat eine Tochter in Amerika. Wenn sie wieder zurückkommt wird er sich bereits umgebracht haben. Er wollte, daß ich ihr schreibe wie ich ihn zuletzt erlebt habe. Dieser Mensch hat einfach nur verstanden. Die ganze Leere. "
Der Aru zeigt mit dem Finger auf Susis Showbar.

Vor den Pforten der Herbertstraße dann Moralanwandlungen. "Ich muß da nicht durchgehen. Ich kann verstehen wie man sich als Frau da fühlt."
Der Aru fühlt vor allem Müdigkeit und Misanthropie.
Leckereien
Back im Steindamm wird der Kakao gerührt und die Geschichtentrommel geschüttelt. Die Coco erhält ein mündliches abstract über Oi-Haus und Böckmannstraße mit einem Verweis auf die Bände 2 und 3 der Spektralmemoiren.
Auf der Isomatte versucht der Aru Ruhe und Entspannung zu finden, Kräfte zu bündeln, um am morgigen Tag in alter Frische den Zombiekannibalen in die Orbita zu schauen.
Lediglich die junge Couchsurferin hat den St.Paulianerinnen scheinbar zu intensiv auf die Bauchtaschen geblickt und benutzt den schlafenden Akupunkteur als männliche Gummipuppe. Die Dunkelheit des Raumes wird gefüllt von schmatzenden Leck-und Lutschattacken. Constellation Funk, Bizarre Cinema vorverlegt auf drei Uhr nachts. Der Aru schaut auf seinen Penis herab und der Penis schaut auf den Aru herab.
Vertragspartner werden genötigt ihren Verpflichtungenn ungeachtet der Umstände nachzukommen. Doch gegen weibliche Lüsternheit ist auch kein chinesisches Kraut gewachsen. "Ich muß morgen um 9 raus." Der erste Akt des Lustspiels endet mit einem Seufzer, einem Schnarcher und einem in den Schlafsack geflüsterten 'esk!'.
Große Show, denkt der Aru und rollt sich auf die Seite. Der Versuch, Bettruhe auch auf dem kahlen Boden zu halten, mißlingt erneut. Unersättliche Studentinnen haben scheinbar den richtigen Appetizer gefunden.

Der Tatsache bewußt, daß die Bühne der zelebrierten Eskheiten ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt ist, räumt Kavalier Aru im Geiste der Tradition des Klosters Santa Aruschan das Spielfeld um Couch Squirtern ihren Raum zu lassen. Mit einer Hand voll Schlafsand wird um fünf Uhr morgens der Teig für den lang erwarteten Kuchen gerührt und beim anschließenden Spaziergang der Steindamm hochleben gelassen.
Zurück im Revier grüßen der belegte Kuchen und die garnierte Matratze.
Im Angesicht des Tageslichts macht sich beim Aru beim Betrachten der ineinander verknäuelten Gliedmaßen Fremdscham am Horizont breit und führt zur erneuten Flucht in die Küche.
In der bereits zwei von Oles Kollegen warten und überlegen, wie sich 1er BMW zu 2er Golf verhält. Ole liegt darnieder (Zuviel Wodka? Zuviel Deichkind?) und die beiden Stehaufmännchen liefen bereits erfolglos durch Steindammhotels auf der Suche nach Brötchen ("zu teuer") . Größtes Problem ist der fehlende zweite Kochtopf, der noch mit Kuchenteig belegt ist.
Im Glanze dieses GlückesFragen machen die Runde, ob die Soße auch so zu den Nudeln gekippt werden kann. Der Aru erlaubt sich den Hinweis, daß Menschen, die schwarz-rot-goldene Textilien auf der Haut tragen, auch Nudelwasser pur trinken können und bietet den frisch getopften Kuchen an.
Last Exit Fischmarkt. Ohne Schlaf, dafür geburnt von den eigenen vier Wänden, ist die Szenerie vergleichbar mit einer Mondlandung im Olympiastadion. Was würden wohl die Affen sagen, wenn sie wüßten, daß wir von ihnen abstammen?
Nach einer Odyssee der Schlafunterlagen (Boden, Stuhl, geclearte Matratze) ruht der Aru sanft und lädt Gentleflex zum Fünf-Uhr-Tee. Der Fl nicht gut zu bekommen scheint. Wie aus heiterem Pimmel erklärt Mr. Kowski ohne Vorwarnung, daß eine seiner Traumfrauen eine Friseurin aus Wuppertal bei Oli Geißen war. "C'mon, du hast auch gesagt, daß du die heiraten würdest."
Der Aru verlegt sich auf weniger abwegige Vorstellungen und unterbreitet dem Flex, daß er im Falle einer Präsidentschaft (Germoney, Aruba, Spektralinsel) einmal im Monat sich sein Volk zu Plaudereien und philophischem Geschwätz an den Kamin schalten ließe. Erstmalig realpolitische Visionen gebührenden Ausmaßes. Man rührt in der Milchschokolade und liest im Kaffeesatz.
CS sollte weltweit verpflichtend eingeführt werden, denn die Menschheit gehört auf die Couch.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen